
Bild: GCarty
Ihm wurde mangelndes Demokratieverständnis nicht nur in Deutschland, sondern selbst von Menschenrechtlern in Russland vorgeworfen und Garri Kasparow (russischer Ex-Schachweltmeister) sprach von einem fatalen Signal.
Trotz aller Kritik haben jetzt auch hier wieder einmal die Mächtigen, das Geld und die Energielobby gewonnen und so wird heute überschwänglich gefeiert in Lubmin bei Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern). Während in der Europäischen Union keineswegs die Ängste vor einer zunehmenden Abhängigkeit von Russland aus dem Weg geräumt sind, wollen die Kanzlerin und der Kremlchef Medwedew heute den Gas-Abschluss begießen. Das umstrittene Projekt wird von Politikern als ein Meilenstein für die Energiesicherung in Europa hochgelobt. Wenn diese Annahme sich auch nur halbwegs als richtig erweisen sollte, kann man froh sein.
Für Medwedew ist diese “Energie-Party” sicherlich auch ein zusätzlicher Grund zum Feiern, steht doch bei den nächsten sogenannten „unabhängigen” Wahlen in Russland ein wohl schon lange geplanter Rollentausch zwischen ihm und Ex-Kremlchef Putin bevor. Putin wird es wieder werden wie er es zu Zeiten des Gazprom-Abkommens mit Ex-Kanzler Schröder schon war, Kremlchef!
Die heute gefeierte Ostsee-Pipeline hat eine Länge von 1.224 Kilometern und verläuft von Wyborg (Russland) bis nach Lubmin, wo im Zusammensein mit dem französischen Premierminister Francois Fillon und Ministerpräsidenten Mark Rutte (Niederlande) symbolisch der Gashahn der laut Betreiberauskunft längsten Unterwasser-Pipeline der Welt aufgedreht wird. Durch den jetzigen ersten Strang werden jährlich 27,5 Milliarden Kubimeter Erdgas fließen. Die Gesamtkapazität der beiden Nord-Stream-Stränge liegt bei 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Mit diesem können 26 Millionen Haushalte versorgt werden.
Putin ist bei der Feier nicht vertreten, er wird wohl noch viel mehr Grund in Russland zum Feiern haben, währenddessen Gerhard Schröder als Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG bereits vor Ort ist und sich über seinen Abschluss die Hände reiben kann. Er persönlich hat sicherlich gut Lachen, ob das die Bevölkerung ebenso sieht sei dahingestellt. Immerhin werden gegen Gazprom immer wieder Vorwürfe erhoben, vom Missbrauch der Monpolstellung ist da die Rede genauso wie von Preistreiberei und Behinderung von Konkurrenzunternehmen. Na dann kann man wohl nur noch hoffen, dass der Hahn dieser Pipeline zukünftig nicht nach Belieben auch wieder zugedreht wird und billiger wird es mit Sicherheit keinesfalls bei diesem Energiedeal!
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Die Pipeline ist weiter problematisch für die Ostsee-Region und auch sicherlich nicht förderlich für den Tourismus. Nun stockt auch noch das Umwelt-Ausgleichsprojekt aufgrund der hohen Munitionsbelastung in Peenemünde. Nord Stream hatte den Ausgleich ursprünglich zugesagt, man kann nur hoffen, dass ein sinnvolles, alternatives Ausgleichsprojekt gefunden wird. Gruss aus Brodersby an der Ostsee